funkenwind – Eine Urban Fantasy Webnovel

Nachdem Agentin Orla Mayfield in Ungnade gefallen ist, bekommt sie eine letzte Chance, sich Undercover zu beweisen. Unter falscher Identität wird sie in die Kreise einer mächtigen Dämonenfamilie eingeschleust, um in einem Vermisstenfall zu ermitteln. Dort trifft sie auf Samael Kingsley – schwarzes Schaf der Familie und goldener Hoffnungsträger zugleich.
Diese Begegnung ist der erste Dominostein in einer Kette schicksalhafter Ereignisse, an deren Ende sich nicht nur Orla zwischen Gefühl und Verstand entscheiden muss.

Nach und nach werden auf dieser Seite sämtliche Kapitel von „Funkenwind“ hochgeladen und bereits während des Schreibprozesses kostenlos verfügbar sein – noch bevor die Geschichte 2025 in ihrer finalen Form erscheint. Taucht mit mir ein in eine Welt zwischen dem, was ist und dem, was sein könnte. Wer kommt mit auf die Reise?

Neueste Kapitel

12 Buchgeflüster

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Das mit der Strafarbeit hatte sich schneller erledigt als erwartet. Nach nur wenigen Tagen durfte Orla die Waschküche wieder verlassen und in den Putzdienst zurückwechseln. Denn wie von Madame Mildred prophezeit, flüsterte der Flurfunk heiser, dass Cilla nicht mehr länger Gast des Hauses Thornwood war. 

So ganz wollte Orla nicht glauben, dass der Spuk ein Ende finden sollte; dass die Dämonin den Zwist mit ihr vergessen hatte. Die Sorge, ihr doch noch in die Falle zu gehen, war nur schwer abzuschütteln, weshalb Orla lieber wachsam geblieben war. Irgendwann hatte sie jedoch realisiert, dass es weniger die Furcht vor Rache war, die sie auf jedes Geräusch und jeden Schatten achten ließ, sondern eine Art pervertierte Vorfreude. Darauf, herausgefordert zu werden, sich beweisen zu können. 

Darauf, gesehen zu werden. 

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11 Familienbande

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Lucinda ließ den Arm des Plattenspielers behutsam niedersinken. Auf das anfängliche Knistern folgten die vertrauten Klänge eines Songs, dessen Leichtigkeit sie für einen kurzen Moment aus der Wirklichkeit riss und in die Vergangenheit trug: Arm in Arm mit einem Schatten, trunken vor Glück, die Zukunft nur eine vage Skizze ohne Bedeutung. 

»Deeskalationsmusik?«, hörte sie Samaels Stimme hinter sich. »Wenn ich gewusst hätte, dass es so schlecht um den Familienfrieden steht, wäre ich früher gekommen.«

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10 Sensentanz

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»Sie wollten mich sprechen, Ma’am?« Orla blieb an der Schwelle des Büros stehen. Dass sie noch vor Dienstanfang hierher zitiert worden war, ließ die Alarmglocken schriller läuten als ihrem Kopf nach der ohnehin schlaflosen Nacht guttat. 

Was, wenn sich Samael Kingsley und seine Begleitung nun doch bei Madame Mildred beschwert hatten? Was, wenn diese Minuten – hier und jetzt – ihre letzten auf Thornwood waren? Sie bereute, nicht die Flucht nach vorne angetreten und ihre Vorgesetzte selbst über den Vorfall informiert zu haben. Die Tatsache, dass sie nichts gemeldet hatte, würde sie nur noch schuldiger aussehen lassen.

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9 Nachtschatten

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Eine Stunde und diverse leere Schubladen später gab Orla enttäuscht auf. Das Zimmer war farbloser als befürchtet. Keine persönlichen Gegenstände, keine Schriftstücke, keine Bücher – nichts, das mehr über den Bewohner und seine Beziehung zur Familie hätte verraten können. Die einzige Information, die der Kleiderschrank geliefert hatte, war eine Vorliebe für die Farbe Schwarz und eine Abneigung gegen alles Ausgefallene. Der Rest des Zimmers war für die Ermittlungen in etwa so interessant wie ein leeres Blatt Papier. 

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8 Das Hadeszimmer

8

Obwohl Orla in den ersten zwei Wochen auf Thornwood viel herumgekommen war, jeden Tag neue Leute getroffen und neue Orte entdeckt hatte, fiel die Ausbeute an brauchbaren Informationen über die Kingsleys enttäuschend aus. Bis auf den unfertigen Grundriss des Hauses und die Erkenntnis, dass ihr nicht nur die Überwachungskameras und ein Sicherheitsschloss, sondern auch ein bulliger Wachmann im Weg standen, wenn sie in das Büro von Cyrus Kingsley gelangen wollte, hatte sie kaum etwas Spannendes erfahren. Von seiner Mutter Lucinda hatte sie bisher nicht einmal einen Schatten gesehen. Und solange sie fürchten musste, dass der Pager an ihrem Handgelenk ihre Wege per GPS überwachte, würde sich das auch nicht ändern. 

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7 Die Ordnung der Dinge

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»Es gibt zwei Möglichkeiten.« Cyrus ließ die Tür ins Schloss fallen, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und umkreiste seine in Ungnade gefallenen Männer mit bedächtigen Schritten. »Entweder ihr wart so dämlich, euch von eurem Kameraden hinters Licht führen zu lassen oder ihr wart so dämlich, gemeinsame Sache mit ihm zu machen.« Er blieb stehen und musterte die beiden von oben bis unten. In die Stille mischte sich ein hölzernes Knarren – ein Stakkato, das er zunächst nicht zuordnen konnte. Doch dann sah er es. Dem Größeren zitterten die Knie derart unkontrolliert, dass sich das Zittern auf die Dielen übertrug. 

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6 Thornwood

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Der Wachmann am Einlass von Thornwood begrüßte Orla mit dem Charme eines stümperhaft programmierten Serviceroboters, dessen Sprachmodul im Laufe der Jahre eingerostet war. Nachdem er das Einstellungsschreiben ihres zukünftigen Arbeitgebergebers auf Echtheit geprüft hatte, forderte er sie in ruppigem Ton auf, ihren Koffer auf den Tresen des Pförtnerhäuschens zu stellen und zu öffnen. Vermutlich war er verärgert, dass sie ihn bei seinem Frühstück gestört hatte – der frische Mayonnaise-Fleck auf seinem Uniformkragen und die Weißbrot-Krümel, die von seinem Hemd rieselten, als er sich vorbeugte, legten diesen Verdacht zumindest nah. Vielleicht war er auch einfach übernächtigt. Das erzählten ihr zumindest sein glasiger Blick und seine geröteten Augen. 

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5 Neue Wege

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»Wie ist es gelaufen?« Doyle sah hinter seinem Computer auf. »Was hat der Chief gesagt?« 

»Ich bin dabei«, sagte Orla mit einem Gefühl im Bauch, als hätte sie einen dieser Casting-Vorentscheide im Fernsehen gewonnen – irgendwo zwischen Freude, weil man die erste Hürde genommen hatte und Nervosität, weil es jetzt erst richtig losging.

»Großartig! Willkommen an Bord, Agent Mayfield«, sagte Doyle und griff nach seinem Telefon. »Dann werde ich mal unser Team zusammentrommeln.«

»Warte!« Bevor er eine Nummer wählen konnte, legte Orla ihre Hand auf seine. »Verrätst du mir erst, worum es eigentlich geht?«

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4 Gekommen, um zu bleiben

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»Bei den Blumen für die Tischdeko dachte ich an üppige Bouquets aus Hortensien in einem dunklen Purpur, weiß-violetten Lisianthus und Rosen …«

»Keine Rosen!« Die Vehemenz, mit der Lucinda Kingsleys Stimme durch den Grünen Salon hallte, ließ ihren Eventplaner erstarren.

»Keine Rosen«, wiederholte Percy brav, während er sich eine Notiz in seinem Tablet machte und sie rot markierte.

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3 Ode an die Freundschaft

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»Ich verstehe nach wie vor nicht, wo das Gift hergekommen ist. Mason ist doch beim Eintreffen gefilzt worden.« Orla lehnte am Bartisch, das Kinn auf ihre Hand gestützt. »Vielleicht hat er die Kapsel im Schuh versteckt. So etwas wird schnell übersehen.« Nachdenklich nahm sie einen Schluck aus ihrer Flasche. »Aber warum sollte Mason Gift mit sich führen? Das ergibt doch gar keinen Sinn.« Beim Anblick der Feierfreudigen bereute sie zum wiederholten Male ihre Entscheidung, sich von Doyle hierher schleifen zu lassen. Wie sollte man bei dem Lärm ein Gespräch führen? »Außerdem hatte ich nicht den Eindruck, dass er lebensmüde war«, sagte sie – mehr zu sich als zu ihrem Begleiter. »Im Gegenteil – er hatte eine Heidenangst davor, dass Grogon ihm etwas antut. Das alles passt überhaupt nicht zusammen.«

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